Mobbing – Von der Prävention zur Intervention oder: Mobbing – was t(n)un?

 

Aus dem Leitbild des Schulsprengels Innichen:

 

Unsere Schule versteht sich als gesundheitsfördernde Schule, in der sich alle Beteiligten wohl fühlen und sich weiterentwickeln können. Um das zu erreichen, streben wir eine gute Kommunikation an: Wir reden offen miteinander und versuchen Konflikte gemeinsam und fair zu lösen. Wir bauen auf gegenseitige Achtung und Vertrauen: Wir verhalten uns solidarisch und respektieren die Meinungen der anderen.

 

 

In diesem Sinne bemühen wir uns, die Lebenskompetenzen der Schüler1 durch vielfältige Maßnahmen zu stärken: soziale Übungen und Spiele, Projekt „Gemeinsam stark werden“ an der Grundschule, Projekt „Wetterfest“ an der Mittelschule, Schülerpatenschaften, kooperative Lernformen, regelmäßige Fortbildungsangebote zu den Lebenskompetenz-programmen im Rahmen der SCHILF usw.

 

Trotz der guten Begleitung von Schülern kann es aber hin und wieder zu Mobbingsituationen kommen.

 

 

Mobbinghandlungen sind absichtliche und wiederholte Angriffe sprachlicher oder körperlicher Art durch eine oder mehrere Personen. Täter versuchen, ein Opfer zu erniedrigen und zu demütigen. Die Handlungen erstrecken sich über einen längeren Zeitraum und betreffen nicht nur das schulische Umfeld der Kinder und Jugendlichen, sondern auch deren Freizeit.

 

Mobbingopfer sind nicht immer leicht zu erkennen, denn Betroffene ziehen sich oft mehr und mehr zurück. In vielen Fällen kann Mobbing sogar zu körperlichen und psychischen Beschwerden führen.

 

Es gehört zum Alltag, sich Konfliktsituationen stellen und diese lösen zu können. Solche Erfahrungen tragen auch zu einer gesunden Persönlichkeitsentwicklung bei. Konflikte geschehen immer auf Augenhöhe aller Beteiligten, es wird um eine Sache diskutiert und eine Lösung angestrebt. Dies ist keine Form von Mobbing!

 

 

Um Mobbing in unseren Schulen wirksam entgegenzutreten, hat die Arbeitsgruppe „Gesundheitsförderung“ diesem Thema in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit gewidmet: Im Herbst 2017 startete sie einen Entwicklungsprozess, in den auch die Direktorin, Lehrpersonen, Schüler, Eltern und externe Beratungskräfte einbezogen wurden.

Interessierte Lehrpersonen lernten und lernen im Rahmen von mehreren Fortbildungen das Interventionsmodell „No Blame Approach“ kennen und dessen Schritte umzusetzen. Dieser „Ansatz ohne Schuldzuweisung“ ist eine wirkungsvolle Methode, um Mobbing unter Schülern nachhaltig zu beenden.

Die Durchführung dieser Intervention wird im Kurzfilm unter der Internetadresse

https://youtu.be/16i_Q0vwk0c?list=PLfGa-eZk4CgODFcWy1bZEtDutzoDZ-PEE veranschaulicht.


Schritt 1: Das Gespräch mit dem betroffenen Schüler

Wichtig ist zunächst, dass dem Schüler Vertraulichkeit gewährleistet wird. Er soll die Zuversicht gewinnen, dass sich seine Situation verändern lässt und er dabei Unterstützung erfährt.

Anschließend wird dem Schüler das Vorgehen geschildert und seine Zustimmung eingeholt. Er wird gebeten, die Namen derjenigen Mitschüler zu nennen, die dafür verantwortlich sind, dass es ihm nicht gut geht, sowie einige Mitschüler, die sich neutral oder freundlich verhalten. Mit dieser Information wird der zweite Schritt in die Wege geleitet.

 

Schritt 2: Bildung einer Unterstützergruppe

Anhand der Angaben des betroffenen Schülers wird eine Unterstützergruppe gebildet, in die sechs bis acht Schüler eingeladen werden. In Absprache mit einer Fachlehrperson werden die Kinder bzw. die Jugendlichen während des Unterrichts aus der Klasse geholt. Zuvor haben die Schüler eine schriftliche Einladung erhalten, in der sie um Hilfe gebeten werden.

Wichtig: Der betroffene Schüler wird nicht eingeladen. Die Teilnahme an der Gruppe wäre für ihn eine große Belastung und würde es den Akteuren und Mitläufern erschweren, eine neue Rolle einzunehmen.

Die Schüler werden willkommen geheißen. Die Lehrperson schildert ihr Anliegen, nämlich dass sie sich in der Klasse nicht mehr wohlfühle, weil es einem Schüler nicht gut gehe. Sie betont, wie wichtig es ihr sei, dass alle in der Klasse einen guten Platz hätten. Diese Aussage ist bedeutsam, weil dadurch manche Schüler sehr motiviert sind zu helfen.

Nun werden Ideen gesammelt, um den betroffenen Schüler bestmöglich zu unterstützen. Auch der Akteur wird eingeladen sich einzubringen, zumal er oft gute Ideen habe und die anderen viel auf seine Meinung gäben.

Schüler, die sich nicht am Mobbing beteiligt haben, äußern vielfach erste Vorschläge. Ermutigt durch die Lehrperson schließen sich in der Folge auch die Mitläufer (Verstärker und Assistenten) mit Ideen an. Den Schülern, von denen das Mobbing ausgegangen ist, wird vor Augen geführt, dass sich das Blatt wendet und sie nicht mehr damit rechnen können, Anerkennung und Zuspruch für weitere Aktionen zu erhalten. Hat jeder Schüler einen Vorschlag geäußert, wird die Verantwortung der Gruppe übergeben. Wer möchte, kann seine Idee in die Tat umsetzen. Schließlich wird ein Termin für ein Nachgespräch festgelegt.

 

Schritt 3: Das Nachgespräch

Ein bis zwei Wochen nach der Bildung der Unterstützergruppe bespricht die Lehrperson mit jedem Schüler, wie sich die Situation in der Zwischenzeit entwickelt hat.

Dieser dritte Schritt sorgt für Verbindlichkeit und verhindert, dass diejenigen, die gemobbt haben, ihre Handlungen wieder aufnehmen. Die Einzelgespräche nehmen die Schüler direkt in die Verantwortung und stärken die Nachhaltigkeit.

 

Wichtig ist uns, Mobbing niemals zu ignorieren und gezielt anzugehen. Denn beim Mobbing hört der Spaß auf.

 

1Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt